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Mittwoch, 4.Dezember Er richtete den Comtess-Kuchen, den mit der dicken Schokoglasur, auf dem Bärenteller an. Den Teller hatte ich in der Betonröhre gefunden und bestimmt eine halbe Stunde mit Klorix geschrubbt, bis das Teddybären-Motiv wieder voll sichtbar war. Es war keinen Moment zu früh, denn schon klingelte und klopfte es an der Tür. Monique humpelte in hohem Tempo herein, die kleine Schorschi hinter sich herziehend. Mich ignorierte sie völlig. Sie hatte ein rotes Samtkleid an, Schorschi war passend dazu in ein rotweißkariertes Dirndl gesteckt. Die Gehhilfe von Monique lief unten in vier Metallbeinchen aus, die mit dicken Gummifüßen versehen waren. Mit Hilfe dieses Stockes deutete sie empört in Richtung Bärchenteller und stieß dabei etwas um, was ich immer für eine teure Ming-Vase gehalten hatte. "Du Schuft, diesen Teller hast du bei unser Scheidung unterschlagen ! Und jetzt wagst du es, mir darauf Kuchen zu servieren ! Ich faß es nicht !" - "Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich." entgegnete er trocken. - "Bleib mir bloß weg mit deinen lächerlichen Ausreden und Ausflüchten, die kenne ich zu Genüge ! Natürlich ist das mein Teller, von dem hat schon meine Großmutter gegessen!" Schorschi fühlte sich unbeachtet und warf sich heulend auf den Teppich. Monique zog die Kleine hoch und steckte ihr schnell ein Stück Comtess in den Mund. "Um Schorschi mache ich mir Sorgen, sie hat noch gar keinen Busen, obwohl sie schon sechs Jahre alt ist, und anfangen zu sprechen könnte sie ja auch mal langsam." Das Gespräch verlor sich in den üblichen Familienstreitigkeiten. Was war nur aus den glücklichen Zeiten geworden ? | |
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