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Donnerstag, 5.Dezember "Erinnerung an glückliche Zeiten ist das, wovon man zehrt. Die glücklichen Momente sind das Fundament !" Ich war mir nicht sicher, ob ich das so verstand, wie er es meinte. Er wirkte nicht so, als hätte er da viel zu zehren. Ich trug gerade einen Schutthaufen vor der Hintertür des Zielgebäudes ab. Erinnerungen lagern sich als Sedimente, in Schichten ab, verdichten sich und werden ab und zu durch Verschiebungen und Risse im Gefüge neu gefaltet. Manche Schichten glänzen, andere sind stumpf und grau. Bestimmte Erinnerungen zeigt man anderen gerne, jeder hat da so seinen eigenen kleinen Yellowstone-Nationalpark. Aber definiert einen das wirklich? Könnte man nicht reuelos all diese Geschichten hinter sich lassen und gehen ? Mein Gesicht muss wohl abwesend gewirkt haben, denn er kam so nahe heran, wie es die Bewegungen meiner Schaufel erlaubten und sagte lauter als nötig, eher zu dem Holunderstrauch hinter dem Schutthaufen als zu mir : "Die schönen Erinnerungen kann einem niemand nehmen, und wenn man lernt, auch den Schutthaufen in einem goldenen Licht zu sehen, so wird man ein reiches, erfülltes Leben gehabt haben." Ich schaufelte schneller, ohne etwas zu entgegnen. Zweifellos sind Erinnerungen zerstörbar, sie erodieren, und außerdem kann jederzeit Enttäuschung wie Öl durch das Gestein sickern, die Marmor- und Granitschichten durchtränken und bis zur Unleserlichkeit schwärzen. | |
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