9.Dezember Montag, 9.Dezember

"Du kannst den Rucksack gleich wieder auspacken" sagte er, als er den Hörer auflegte, "Ingeborg Schmidtbauer kommt zu Besuch, sie wird gleich da sein, und sie bringt Beate und den kleinen Mirko mit." Ich öffnete den zugeschnallten Bundeswehrrucksack wieder und legte die Werkzeuge zurück an ihren Platz in der Speisekammer. Auch heute würden wir nicht die Eisentür aufbrechen, die ich am Ende der Betonröhre gefunden hatte. Ingeborg also, seine geheimnisvolle alte Bekannte aus München, die dort eine Boutique für Damenmode führte. Beate war anscheinend Frau Schmidtbogens rechte Hand, und der kleine Marko, soweit ich wusste, Beates leiblicher Sohn, oder doch adoptiert¹ ? Schnell wurden Fleischwurst und Scheiblettenkäse auf ungetoasteten Toastscheiben angerichtet, die Konsistenz der Schnittchen ganz auf die Ernährungsbedürfnisse von Ingeborg orientiert. Dazu gab es einen leichten und bekömmlichen Krabbencocktail. Würde ich wieder in der Speisekammer unter der Werkbank schlafen müssen, weil Ingebelle samt Anhang über Nacht bleiben würde ?

"Willkommen in Hamburg !" rief er jovial und breitete seine Arme in einer begrüßenden Geste aus. Die Gäste kamen heran - der kleine Marco sprang die Treppen hoch und lachte übers ganze rosige Gesichtlein, Beate verfolgte ihn, die alte Frau Schmittbrauer im Schlepptau. In der anderen Hand zerrte Beate einen geblümten Koffer hinter sich her. Das deutete darauf hin, dass sie länger zu bleiben gedachten - mit meiner Suche würde ich wohl ersteinmal nicht vorankommen.

 
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