15.Dezember Sonntag, 15.Dezember, 3.Advent

Auf eigene Faust hatte ich mich in das Betonrohr begeben, die Adventsfeierlichkeiten(*) in der Wohnung waren nicht auszuhalten gewesen. Alles war vollgeschmiert mit Kuchenteig, Schokolade und Zuckerguss, die Luft ließ sich kaum atmen. Mit dem Abwaschen, Putzen und Bügeln kam ich eh nicht mehr hinterher. Draußen begrüßte mich ein erfrischender Sprühregen. Dick bekleidet gegen die Kälte zwängte ich mich in die Röhre. Den Rucksack mit den Werkzeugen schob ich vor mir her. Ich erreichte nach längerem Kriechen den alten Brunnenschacht, aus dem der graue Dezemberhimmel sichtbar war. Ob wohl es hier bedeutend kühler war, legte ich eine Pause ein. Der Boden des Schachtes war trocken, aus irgendeinem Grund lag hier ein Baseballschläger. Im Sommer sicher ein schöner Platz, ich stellte mir vor, wie die Stimmen der Vögel darin wiederhallen würden, aber jetzt machte ich mich doch lieber auf den Weg und kroch weiter, in das leicht abwärtsführende große Keramikrohr, dessen matte Wände von meiner wackelnden Stirnlampe erhellt wurden. Die Geräusche meines Kriechens waren sehr gedämpft, als würde ich mir die Ohren zuhalten, ich hörte nur meinen eigenen Atem.

Das Betonrohr hatten wir entdeckt, als wir auf der Suche nach unseren Kater Toru das verlassene Grundstück betreten hatten. Inzwischen musste ich jedoch weit über die Grundstücksgrenzen hinaus sein. Ich erreichte die würfelförmige Kammer am Ende des Rohrs. Der Boden bestand aus einem Eisenrost, durch das Wasser gegebenenfalls abfließen konnte, doch augenscheinlich war das Rohrsystem schon lange trockengelegt. Es hieß, dass früher Abwässer einer Schlachterei hindurchgeflossen wären, aber das schien mir unwahrscheinlich. Ich holte die Eisensäge aus dem Rucksack und schaute mir die Eisentür, deren Beschlag ich aufsägen wollte, genau an. Meinen Berechnungen nach müsste sich die Kammer etwa unter der stillgelegten Rangier-Drehscheibe befinden. Ich fing an, die festgerosteten Riegel abzusägen.

 
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