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Mittwoch, 18.Dezember Beates Stimme durchbrach die Stille: "Mirko, leg das Buch weg, du verdirbst dir nur die Augen !" Mirco schleuderte "Zahlentheorie II" in eine Sofaecke und begann, wie wild um den mit Pythonleder bezogenen Sessel herumzulaufen, immer im Kreis. Jedes Mal, wenn er am Tisch vorbeikam, griff er in die Keksschale, so dass die Krümel nur so flogen. Dann stoppte er plötzlich und wagte einen beherzten Griff in die Sahnetorte. Wie sollte ich das alles nur wieder orntlich machen, ehe Monique kam? Zu spät, da kam sie schon herein, Schorschi an der Hand, das Kind heute in braunem Cord-Kleidchen, Monique in dunkelbraunem Samt mit gelblichen Spitzenapplikationen. Mit einem einzigen Blick erfasste sie die Szenerie - Ingeborg Schmidtbrauer und der alte Herr zusammen auf dem Sofa in trauter Zweisamkeit, zu ihren Füßen spielte Marco, er hatte sich Torte auf den Bärchenteller gehäuft und fütterte seine Playmobilfiguren damit. Beate saß anmutig im Pythonsessel und strickte. Es stand kein Comtess-Kuchen bereit, dafür aber eine Sahnetorte mit einer gähnenden, höhlenartigen Öffnung an einer Seite. Ich hatte gerade den Handstaubsauger geholt und stand wie erstarrt vor der wutschäumenden Monique. Sie ignorierte mich nicht wie gewohnt, sondern rief "Glotz nicht so !" und zog mir ihre Gehhilfe über den Schädel, so dass ich umfiel. Als ich wieder zu mir kam, war aus dem Treppenhaus das Geschrei von Schorschi zu hören. Frau Schmidtbogen gab kleine indignierte Geräusche von sich und versuchte, sich die Torte aus dem Haar und vom Kleid zu klauben. Die von mir mit Spannung erwartete Auseinandersetzung zwischen den beiden Damen hatte ich nun verpasst, das würde ich Monique noch lange übelnehmen, sofern es möglich ist, ihr irgendetwas übelzunehmen. | |
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