19.Dezember Donnerstag, 19.Dezember

Wer hatte sich eigentlich um Frau Schmidtbargs Damenmodeboutique gekümmert, während sie in Hamburg war ? Egal, jetzt war sie jedenfalls abgereist, samt Beate und Milo. Ich hatte endlich mein eigenes Bett wieder. Die Wohnung hatte ich gründlich geputzt und sämtliche Glücksbringer, Jesusbildchen, ein Buch über Darmspülung (von Beate) und alle adventlichen Dekorationsgegenstände entsorgt. Mirkos Hamster hatte ich auch wiedergefunden. Die Abreise wäre fast am Verschwinden des Tieres gescheitert. Der alte Herr hatte erwähnt, dass der Kater Fritz von nebenan einen gesunden Appetit auf Nagetiere hat, das gab Tränen ! Tatsächlich hatte das arme Tier nur den Trubel in der Wohnung nicht ertragen und sich in der Küche in der wolligen Isolierung des Durchlauferhitzers versteckt. Das Tier wartete jetzt in einem Schuhkarton darauf, vom Zoohändler abgeholt zu werden. Nach dem Genuss einer großen Portion Labskaus saßen wir im Wohnzimmer, ich hatte es mir im Pythonsessel gemütlich gemacht und wollte gerade mein Buch aufschlagen, als es an der Tür klingelte und und ein Paketbote ein Paket mit der Aufschrift "Vorsicht ! Zerbrechlich ! Nicht schütteln !" brachte.

Sollte ich uns das bis Weihnachten aufsparen ? Aber vielleicht war ja etwas Verderbliches darin ? Manche Leute schicken ja sogar frischen Salat im Postpaket. Es kam von Onke aus Melbourne. Ich öffnete das Paket und wickelte eine abstrakte Skulptur aus der Noppenfolie. War Onke mit ihrem Job am Institut für theoretische Physik nicht ausgelastet ? Sie hatte aus abgeschnittenen Fußnägeln und Fingernägeln eine elegante delfinartige Figur geformt. Sie sollte "Djihad" heißen, warum auch immer. Sie wurde auf dem Kaminsims plaziert, wo bis vor kurzem "Der Trieb" gestanden hatte. Ein adäquater Ersatz.

 
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