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Sonnabend, 21.Dezember Was sollte man zu diesem massenhaften vorweihnachtlichen Einkaufszwang noch sagen ? Vielleicht einfach besser zur Demo gehen ? "Alle müssen immerzu etwas vorhaben. Freizeit verlangt ausgeschöpft zu werden."¹ Er stand neben mir, wir warteten auf das Heißwerden des Wassers, vor dem eigentlichen Beginn des Abenteuers wollten wir noch einen Kaffee trinken. Ich erwiderte nichts. Da hatte er schon recht, war meine fieberhafte Suche vielleicht auch so ein Ausfüllen einer Leere, meine Forschung auch nicht besser als anderer Leute Drang nach Konsum neuer technischer Gerätlein und textiler Scheußkeiten, Accessoires, Duftstoffe ? "Vielleicht wird die wahre Gesellschaft der Entfaltung überdrüssig und läßt aus Freiheit Möglichkeiten ungenützt..."² Seit seiner gescheiterten Romanze mit Frau Schmidtberger redete er mit weniger Sendungsbewußtsein und weniger Ausrufezeichen. Vielleicht nagten in ihm so langsam die gleichen Zweifel wie in mir. Aber diese Möglichkeit hier und jetzt wollten wir nicht ungenutzt lassen. Während draußen immer mehr Wasserwerfer auffuhren, waren wir in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Hauptbahnhofes zu Gast. Genaugenommen hatten wir uns Zutritt zu der unbewohnten Wohnung im Erdgeschoss verschafft, da mir eine ehemalige Bewohnerin von der Bodenluke in der Küche erzählt hatte, welche Zutritt zu einem verästelten Netz aus Gängen bot. Zuerst kam man in den Keller, dann war da eine kleine Tür in der Backsteinmauer. Vor die hatte jemand ein Regal mit Einmachgläsern gestellt. Erdbeermarmelade, 1984. Eingeweckte grüne Bohnen, Kürbis süß-sauer 1986. Regal samt Inhalt hatte ich schon beiseitegeräumt und einen Blick in den schmalen Gang hinter der Tür geworfen. Der Gang führte abwärts. Statt mich in politisch motiviertes oder in nach Konsum strebendes Gewimmel zu begeben, kroch ich wieder in das Erdinnere. | |
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